Kirche auf Akdamar im Vansee und Kloster des Heiligen Thomas

Die Kirche des Heiligen Kreuzes (armenisch Surp Khatch) auf der Insel Akdamar (Aght’amar) im Vansee war Teil eines Palastkomplexes des Königs Gagik Artzruni von Vaspurakan (reg. 904 – 938 u. Z.). Hauptstadt dieses Königreiches war jedoch die Stadt Van, das Tushpa der Urartäer. Der Palastkomplex auf der Insel Akdamar war, im Sinne von Friedrich dem Großen verstanden, sein Sanssouci.

Bereits seit dem vierten Jh. existierte hier auf Akdamar eine Festung, im Jahr 653 gründete das armenische Fürstengeschlecht der Reschtuni hier auch ein Kloster, das von da an bis ins Jahr 1917 von Mönchen bewohnt war. (sh Stich von H. Eprikion von 1900).

Das Königreich Vaspurakan war eigentlich Teil von Großarmenien mit der Hauptstadt Ani, dessen Könige aus dem Fürstengeschlecht der Bagratuni stammten. Im zehnten Jahrhundert war der von den Artzruni beherrschte Teil Armeniens jedoch von arabischen Emiraten eingeschlossen (sh. Karte), sodaß Gakig durch geschickte Diplomatie erreichen konnte, daß er von Jusuf, dem Emir von Aserbaidschan die Königskrone erhielt, was sowohl von Byzanz als auch vom Kalifen in Bagdad rechtlich anerkannt wurde. Denn dieser Schachzug führte zu einer Schwächung der Macht von Großarmenien, was sowohl den politischen Interessen der Araber als auch denen von Byzanz entsprach. Von 927 bis 943 befand sich in Akdamar sogar der Sitz des Katholikos der armenischen Kirche.

Auf der Insel Akdamar, deren Fläche damals auf Grund des öfters schwankenden Wasserstandes des Vansees wesentlich größer war als heute, ließ Gakig von 915 bis 921 seinen Palast, die Heiligkreuzkirche, und eine „Stadt“ mit Festungsmauer, Hafenanlage, Adelspalästen, Hainen und Plantagen errichten.

Was aber das eigentlich Beeindruckende dieser Heiligkreuzkirche ist, das ist zum einen seine Einbettung in eine grandiose Landschaft des riesigen Gebirgssees (siebenmal größer als der Bodensee) auf 1719m ü. NN, die im Nordosten vom Massiv des Ararat (5165 Meter), im Norden von dem erloschenen Vulkan Süphan Dag (4434 Meter), im Westen von der Kette des Antitaurus mit dem Nemrug Dag (3050 Meter) und seinen Kraterseen, im Süden von den Gipfeln des Kurdischen Berglandes mit einigen Dreitausendern und im Osten vom Kazan Dag (2850 Meter) umschlossen ist.

Zum anderen ist es aber die – einmalig in der armenischen Kirchenbaukunst – üppige Ausstattung der Außenfassaden dieser Kirche mit Reliefs mit sowohl weltlicher als auch religiöser Bedeutung. Einst sollen die Reliefs farbig und golden eingefaßt gewesen sein, so daß die Kirche durch die Strahlen der Sonne wie eine zweite Sonne über den blauen See leuchtete.

Ich will mich hier nicht weiter über das Programm, das den Reliefs als auch den Fresken im Innern der Kirche zugrunde liegt, verbreitern. Denn darüber weiß ich auch nur vom Hörensagen bzw. aus dem Aufsatz von Elfriede Storm: Die armenische Heiligkreuzkirche von Aght’amar. und aus dem Buch von Volker Eid: „Im Land des Ararat – Völker und Kulturen im Osten Anatoliens“.

Die Bilder und Videos, die Leser dieses Beitrages in der zugehörigen Bildergalerie bzw. in dem YouTube-Video sehen und hoffentlich auch genießen können, stammen aus dem Zeitraum der Jahre von 2005 bis 2012. Nur auf den Bildern von 2012 schmückt die Kuppel der inzwischen restaurierten Kirche wieder ein Kreuz.

Bei Wikipedia kann man dazu lesen:

Am 19. September 2010 fand nach etwa 100 Jahren zum ersten Mal wieder ein christlicher Gottesdienst in der Kirche statt. Vorherige Differenzen wie um das Aufstellen eines Kreuzes wurden gelöst. Ein Eisenkreuz aus einem Museum aus Van wurde während der Messe vor der Kirche aufgestellt. Zu der zweistündigen Messe reisten neben türkischen Armeniern viele Armenier aus Armenien und den USA an. Die Messe leitete Erzbischof Aram Ateschian aus Diyarbakır. Anfang Oktober 2010 wurde ein 2 Meter großes und 110 kg schweres Kreuz auf die Kirche gesetzt. Das Kreuz wurde vom armenischen Priester aus Istanbul Tatula Anuşyan geweiht.

Zum Kloster des heiligen Thomas, das ist jener Apostel der bis Indien missioniert haben soll und in dessen Auftrag der Heilige Bartholomäus Armenien zum Christentum bekehrte, kann ich nicht viel sagen außer, daß sie sich in einem jämmerlichen Zustand befindet und man auf dem Weg ins Innere über Kuh- und Ziegenmist sowie herabgefallene Steine in die Klosterruine stolpern muß. Dem ungeachtet ist die Lage der Kirche auf einem steilen Hügel im Süden des Vansees schlicht atemberaubend – in doppeltem Sinne.

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Die Aufnahmen zum upgedateten Video sind in den Jahren 2005 bis 2012 aufgenommen worden, sie entstanden auf  der Insel Akdamar (zuweilen auch als Agdamar, Achtamar bzw. Ahtamar transkribiert) im Vansee, also in der Osttürkei bzw. in Nordostanatolien.

Zur Musik: es ist ein armenisches Wiegenlied, das von mir mit verbissenem Eifer auf dem PC völlig synthetisch aus dem seelenlosen Geplärr von Synthesizern (Yamaha S-YXG50 SoftSynthesizer) per MIDI gebastelt wurde.

Auf so eine verrückte Idee muß man erst mal kommen … aber hätte das jemand rausgekriegt, hätte ich es nicht ausgeplaudert, daß hierfür nicht ein einziges lebendes Musikinstrument gezupft, geblasen oder geschlagen wurde?

Und ist das nicht trotz alledem ein wunderbarer Beleg dafür, daß man  Musik auch ohne den rohen Mißbrauch eines wehrlosen, unschuldigen Klangkörpers erzeugen kann – so ein Musikinstrument ist schließlich auch nur ein leidender Mensch, wie wir alle! Und niemand droht bei MIDI auf einem Dirigentenpult den Quälgeistern, auch Musiker genannt, mit dem Stock. MIDI ist ein echter Beitrag hin zu dem löblichen Vorhaben der UNO, das Humanitätsdenken auch in die musikliebenden, doch weltfremden Musikliebhaber einzupflanzen. Das mußte endlich mal von mir zur Verteidigung der geschmähten MIDI-Technik gesagt werden!

 


 

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