Sakartvelo (Georgien)

Inhalt:


Geschichte, Bilder und Musik

aus dem Land des Goldenen Vlieses

– befindet sich im Kaukasus am schwarzen Meer. Südlich grenzt Georgien an Armenien, östlich an Aserbaidschan. Nördliche Grenze des Landes ist der Große Kaukasus, der Georgien von der Russischen Föderation trennt. Die Fläche von Georgien beträgt 60.500 km2, die Bevölkerung beziffert sich auf 5.000.000. Die Hauptstadt ist Tbilissi mit 1.100.000 Einwohnern.

Georgische Nationalhymne (auf meinem PC eingespielt):

Georgien aus der Vogelsperspektive

Georgien aus der Vogelperspektive

Auf der relativ kleinen Fläche Georgiens sind alle klimatischen Zonen der Erde vertreten, von feucht subtropisch bis zu den ewigen Schneegipfeln des Kaukasus, die 5.000 m Höhe übersteigen. Fast das ganze Territorium Georgiens mit Ausnahme der Kolchis-Ebene, ist in allen Richtungen und in unterschiedlicher Höhe mit Gebirgszügen überzogen. Das zwischen den Gebirgen liegende Flachland ist reich an Trinkwasser und Bewässerungsmöglichkeiten und bietet damit optimale Voraussetzungen zum Leben. Um diese kurze Beschreibung zu vervollständigen, sollte man die Vielfältigkeit der Pflanzen und der Fauna und die Bodenschätze hervorheben.

Das Territorium des heutigen Georgien wird bereits in uralten historischen Quellen genannt. Über 400 Funde aus der Steinzeit sind in Georgien angesiedelt. Vor einigen Jahren wurde eine neue Weltsensation entdeckt: In Dzmanisi wurde einer der ältesten menschlichen Überreste gefunden, der »Homo ergaster«, der 1,7 Millionen Jahre alt ist.

Hauptbevölkerung des Georgiens sind Georgier mit 70%. Die Georgier sind überwiegend christlich-orthodox, ein kleinerer Teil sind Moslems, ein noch geringerer Teil Katholiken. Anthropologisch gehören die Georgier zum großen europäischen, oder vorderasiatischen Typus der kaukasischen Rasse. Die georgische Sprache gehört zur ibero-kaukasischen Sprachfamilie und ist die einzige Schriftsprache dieser Familie.

Die Georgier haben ein eigenes Alphabet. Die Buchstaben entsprechen jeder nur einem phonetischen Laut. Die Einführung des Alphabets wird König Parnavas (Anfang des 3. Jh. v. Chr.) zugeschrieben.
Die früheste erhaltene Literatur datiert vom 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Aus der gleichen Zeit stammt die erste Bibelübersetzung. In georgischer Sprache gibt es eine umfangreiche wissenschaftliche und belletristische Literatur, von der manches zur Weltliteratur zählt Hier nennen wir »Der Recke im Tigerfell« von Schota Rustaweli aus dem 12. Jahrhundert. Die Georgier sind die ältesten autochthonen Bewohner des Kaukasus, im Kaukasus haben die Georgier von der Steinzeit bis heute ihren ethno-kulturellen Entwicklungsprozeß durchlebt. Der Kaukasus ist einer der ersten Orte, an denen Landwirtschaft und Tiernutzung betrieben wurden. Auch die Metallverarbeitung wurde hier erfunden.

Die Georgier haben eine alte Staatstradition. Die günstigen klimatischen Bedingungen und die Bodenschätze, aber auch die territoriale Nähe zu vorderasiatischen Zivilisationen boten schon früh eine sozial-ökonomische Basis für die Entwicklung eines Staatswesens.
Die Wichtigkeit und Macht eines der ersten georgischen Staaten, Kolchis, hat sich im griechischen Mythos niedergeschlagen. Die alten Griechen nannten die Georgier »Vielgolder« – und die archäologischen Ausgrabungen bestätigen das: Die Fundstücke, aus Gold meisterhaft und auf hohem künstlerischen Niveau bearbeitet, sind in georgischen Museen zu bewundern. Auf dem Territorium von Kolchis wurde ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. eine Silbermünze geschlagen; sie ist eine der ältesten der Welt. Der Staat Kolchis hat bis zur hellenischen Zeit existiert und zwischen dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. den im Osten Georgiens entstandenen Kartli-Staat ersetzt. Dieser Staat existierte 20 Jahrhunderte und das heutige Georgien ist sein Rechtsnachfolger.

Im Jahr 326 ließ sich der iberische (Ost-Georgien, Kartli) König Mirian christlich taufen und erhob das Christentum zur Staatsreligion. Diese Entscheidung hatte nicht nur ideologische, sondern auch politische Bedeutung. Georgien entschied sich damit ein für alle mal für einen westlich orientierten Staat, der immer zwischen östlich-iranischen und byzantinisch-römischen Mächten existiert hat. In der ganzen weiteren Geschichte ist Georgien diesem Weg treu geblieben. Die christlich-orthodoxe Religion wurde die Nationalreligion Georgiens und prägte die gesamte georgische Kultur christlich.
Im Laufe der Jahrhunderte blieb Georgien ein Stützpunkt des Christentums, nach dem Zerfall von Byzanz der einzige in der islamischen Welt. Die ganze Geschichte Georgiens ist ein Kampf um Bewahrung von Selbstbehauptung,, Unabhängigkeit und Christentum.
In der langen Geschichte Georgiens gab es im 11. und 12. Jahrhundert ein goldenes Zeitalter, unter König David IV, der Erbauer genannt, und Königin Tamar. In dieser Zeit wurden die Georgier die stärkste Kraft in Vorderasien. Von allen Christen durften nur Georgier reitend und mit Fahnen Jerusalem passieren. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts befand sich der Schlüssel zum Grabtempel Jesu Christi in georgischen Händen.

Georgien hat extrem schlechte Zeiten erlebt, in denen die Georgier Gefahr liefen, eliminiert zu werden. Aber mit viel Anstrengungen, oft auch mit Kompromissen und territorialen Verlusten konnte bis in die heutige Zeit das wichtigste Erbe bewahrt werden, das sie besaßen: Sprache, Heimat, Glaube. In den schlechten Zeiten, in denen fast das ganze Territorium besetzt war oder mit verschiedenen starken Eroberern gekämpft wurde, blieb immer in kleineren Teilen Georgiens der Unabhängigkeitsgeist trotz allem lebendig.

Im 15. Jahrhundert zerfiel der georgische Staat in mehrere Fürstentümer. 1801 brach Russland ein 1783 abgeschlossenes Abkommen und annektierte das kartli-kachethische Königreich. Im Jahr 1878 wurde die Annektion des restlichen georgischen Territoriums abgeschlossen. Ganz Georgien kam unter russische Herrschaft. Die lange Geschichte der georgischen Staatlichkeit schien am Ende, aber der Freiheitsgeist lebte weiter und in einem günstigen Moment erklärte Georgien sofort wieder die Unabhängigkeit, am 26. Mai 1918. Die erste demokratische Republik Georgiens wurde von allen europäischen Ländern anerkannt, existierte aber nur 2 Jahre und 9 Monate lang. Im Februar-März 1921 annektierte Russland Georgien erneut. Trotz brutaler Repressionen hat die Idee von Unabhängigkeit das Leben in Georgien geprägt, und am 28. Oktober 1990 wurden die ersten freien Wahlen der sowjetischen Geschichte in Georgien durchgeführt. Beim Referendum am 31. März 1991 stimmte die gesamte Bevölkerung Georgiens für die Unabhängigkeit. Am 9. April 1991 verabschiedete das georgische Parlament ein Dokument, mit dem in Georgien eine neue Ära begann: die des souveränen Georgien.

Einen interessanten Bericht über Georgien und vor allem Tbilissi im Jahr 1829 hat uns Puschkin in seiner Reise nach Arsrum (Kapitel 2) hinterlassen.

Bilder aus Georgien 1989 (von Dias gescannt):

Einige Erklärungen zu den Bildern:

Blick vom Mtazminda, dem Dawitsberg, über Tbilissi, der heutigen Hauptstadt Sakartwelos. In der Ferne sieht man den Großen Kaukasus mit dem Elbrus
Das Bäderviertel (Abanotubani) von Tbilissi mit den Schwefelbädern und der Moschee
Reiterstandbild Gorgassalis: Das Reiterstandbild Wachtang Gorgassalis (452 – 502) auf dem Metechi-Plateau mit Blick auf die Altstadt Tbilissis. Dort steht auch die Metechi-Kirche aus dem 13. Jh. und im Hintergrund sieht man die Zitadelle Narikala, die von den Persern Ende des 4. Jh. errichtet wurde.

Auf dem Weg von Tbilissi nach Telawi: Auf dem Weg von Tbilissi nach Telawi in Ostgeorgien sieht man viele mit Festungen bewehrte Berge

Telawi: Telawi ist heute Hauptstadt Kachetiens. Ihre Ursprünge gehen bis ins Jahr 1000 vor Christus zurück. Früher war Telawi eine Residenz der kachetischen Könige, aber nicht die Hauptstadt, diese war Gremi. Im Vordergrund die Zitadelle mit dem Standbild Iraklis II., in der Ferne erblickt man in das Alasani-Tal.

Zinandali: Nicht weit entfernt von Telawi liegt Zinandali, bekannt durch seine Weine und das Fürstengeschlecht der Tschawtschawadses. Fürst Alexander war Offizier der russischen Armee, Dichter (beeinflusst von Lord Byron), Dekabrist und Gastgeber u.a. von Lermontow. Eine Tochter heiratete den russischen Diplomaten und Wissenschaftler Gribojedow. Einige Bilder zeigen das Landhaus der Tschawtschawadses.

Ikalto: Das Kloster Ikalto ist 14 km entfernt von Telawi, hatte sogar eine Wein-Pipeline nach Telawi! Die Geschichte des Klosters reicht bis ins 6. Jh. zurück. Die Grundsteine der Christi-Verklärungskirche wurde im 8.Jh. gelegt, der heutige Bau stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Dawit der Erneuerer wandelte das Kloster in eine Akademie um, seitdem hatte Ikalto neben Gelati eine herausragende Bedeutung für die Kultur und Wissenschaft Georgiens gespielt. Die Akademie existierte bis zum Jahr 1616, dann wurde sie durch das Heer des persischen Schahs Abbas zerstört.

Alawerdi: Die Kirche des heiligen Georg in Alawerdi ist einer der vier bedeutendsten Sakralbauten Georgiens. Sie ist mit 51 m der höchste georgische Kirchenbau. Berühmt waren die Wandmalereien, die wesentlich durch ein Erdbeben 1742 zerstört wurden. Alawerdi ist von einer gewaltigen Wehrmauer umgeben. Auf dem Gelände, im Schutz der Wehrmauern erbaute sich der persische Statthalter Schah Abbas eine Residenz, außerdem diente es den georgischen Bischöfen als Wohnstatt.
Markttreiben: Auf den Märkten Kachetiens findet man die reiche Ernte der ertragreichen Felder und Gärten im Angebot.
Festung Gremi: Etwa 15 km entfernt von Telawi, jenseits des Alasani, liegt unmittelbar an der Straße nach Aserbaidschan, die alte Hauptstadt Gremi mit ihrer Festung. Gremi, ein seit jeher befestigtes Bergdorf, wählte sich König Lewan I. in der Mitte des 15. Jh. als Hauptstadt. Vorausgegangen war die Trennung Kartlis und Kachetiens. Malerisch liegt es vor den Bergen des Kaukasus.
Die Hauptstadt Gremi blühte aber nicht lange, 1622 wurde sie von Schah Abbas zerstört, die Bewohner nach Persien vertrieben

Lagodechi: Ein Blick zurück, kurz vor der Grenze nach Aserbaidschan auf das georgische  Alasani-Tal hinterlässt eine Ahnung von der reichen Natur und der Schönheit Kachetiens


Mein Wunsch für Georgien

In Georgien erzählt man sich folgende Sage: Das Land, in dem die Georgier wohnen, wollte Gott eigentlich für sich selbst behalten. Doch nachdem er alles Land an die verschiedenen Völker verteilt hatte, kamen plötzlich die Georgier, die die Landverteilung durch eines ihrer Weingelage verpasst hatten und wären leer ausgegangen, wenn nicht Jesus sich für sie eingesetzt hätte: „Vater“, soll er unter Tränen gesagt haben, „dann schenke ihnen doch das Paradies.“ Seither nennen die Georgier ihre Weinbeeren die Tränen Christi.

Doch was ist aus diesem Paradies geworden? In der sowjetischen Zeit wurde ein Viertel des georgischen Territoriums an die Türkei, an Russland, Armenien und Aserbaidschan durch die Kommunisten verschenkt. Heute sind die Gebiete Adscharien, Süd-Ossetien und Abchasien faktisch eigenständig. Das Land ist total von der Energieversorgung durch Russland abhängig und hängt am Tropf russischer Importe zu Weltmarktpreisen. Die Industrieproduktion ging in den letzten zehn Jahren um mehr als 70% zurück, von ca. 5 Millionen Einwohnern jobbt eine halbe Million als Gastarbeiter in Russland. Der Durchschnittslohn liegt bei umgerechnet 30 $ im Monat, die Renten bei 8 $.

Für eine eigenständige Politik Georgiens sind die Vorraussetzungen denkbar ungeeignet. So wird das Land, welches die einstige Kornkammer der Sowjetunion war, in den Machtkämpfen zwischen Russland und den USA um den Zugang zum Erdöl um Baku und den Bau der Erdölleitung südlich des Kaukasus durch Georgien (eine dringend notwendige Einnahmequelle für das Land), abwechselnd von beiden Ländern verraten.
Ich wünsche diesem herrlichen Land, dass es endlich wieder an seine bedeutende Geschichte und an seine Rolle darin anknüpfen kann und wenigstens im Volk wieder Eintracht, Gemeinsinn und Verantwortung, über die eigenen Parteiinteressen hinaus, stärker Fuß fassen.


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 Volksmusik aus Sakartwelo

Die Volksmusik ist einer der wichtigsten Bestandteile des georgischen Kulturschatzes, eine klingende Chronik der georgischen Geschichte. Im Laufe der Jahrhunderte erlitt Georgien zahlreiche Invasionen durch Araber, Mongolen, Türken, Perser und andere. Dennoch ist es den Georgiern gelungen, ihre Muttersprache, ihre Schrift, ihre Architektur, ihre Religion und nicht zuletzt ihre einzigartige polyphone Gesangskultur zu bewahren. Dies ist um so bemerkenswerter, als sich der mehrstimmige georgische Gesang inmitten von Ländern entwickelt hat, deren Volksmusik überwiegend einstimmig ist.

Die Geographie Georgiens und die geschichtlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes haben zur Herausbildung diverser sprachlicher und musikalischer Dialekte geführt, die nach den entsprechenden Orten benannt werden: Kachetien, Kartli, Ratscha, Swanetien, Megrelien, Imeretien, Gurien, Adscharien und andere. Die musikalischen Dialekte all‘ dieser Regionen unterscheiden sich hinsichtlich der Rhythmik, der Tongebung, der Textur und der Harmonik, haben jedoch eines gemein: den mehrstimmigen Gesang. Die georgische Polyphonie lässt sich in drei Typen untergliedern:

  1. Komplexer polyphoner Gesang, eine Gesangsform, in der die einzelnen Stimmen durch einen gemeinsamen, vielfach synkopierten Rhythmus zu – häufig dissonanten – Akkorden vereint werden. Diese Art des mehrstimmigen Gesangs ist typisch für Swanetien und relativ früher Herkunft.

    Der polyphone Dialog zweier Oberstimmen über einem Bordunton, typisch für Ostgeorgien (Kartli und Kachetien)

  2. Kontrastierende oder freie Polyphonie mit drei selbständigen Stimmen, typisch für Westgeorgien (Gurien und Adscharien)

Georgische Volkslieder sind in der Regel dreistimmig. In Gurien und Adscharien findet man jedoch vierstimmige Arbeitslieder. In diesen Teilen Westgeorgiens ist auch ein besonderer Typus des ornamentalen mehrstimmigen Gesangs verbreitet: »Krimantschuli« oder »Gamkiwani«, eine Art Jodeln.
Einstimmiger Gesang hingegen hat sich in den Hochlandregionen Georgiens erhalten – in Chewsuretien, Tuschetien und anderswo. Monophonie ist auch in bestimmten Liedern sowohl West- als auch Ostgeorgiens verbreitet. Es handelt sich um Arbeitslieder, Wiegenlieder und rituelle Totenklagen. Gelegentlich werden sie von Volksinstrumenten begleitet – so etwa den gezupften Saiteninstrumenten Panduri und Tschonguri oder der Tschuniri, einer dreisaitigen Fiedel.
Die georgische Volksmusik zeichnet sich durch einen großen Reichtum und eine große Verschiedenheit von Formen aus, unerschöpfliche Erfindungsgabe, erlesenen Geschmack und hoch entwickeltes musikalisches Denken. Stil und Tradition des georgischen Gesangs wurden von Generation zu Generation durch jene hervorragenden Sänger überliefert, deren Namen im Gedächtnis der Menschen weiterleben.
Nicht nur nach den verschiedenen Erscheinungsformen, sondern auch nach ihren vielfältigen Funktionen im Alltag und bei Festen lässt sich die georgische Volksmusik klassifizieren. Dabei lassen sich folgende Gattungen unterscheiden:

  1. Arbeitslieder sind ein wichtiger Teil georgischer Volksmusik. Zu ihnen gehören sowohl solistische als auch Gruppengesänge, entsprechend individuellen oder kollektiven Arbeitshandlungen wie dem Pflügen, dem Sensen, der Maisernte, dem Tragen schwerer Lasten. Kollektive Arbeitslieder ihrerseits unterteilt man in die »Naduri« Westgeorgiens und die »Mamitadi« Ostgeorgiens. Während die »Naduri« Imeretiens dreistimmig sind, sind jene aus Gurien oder Adscharien vierstimmig angelegt, ein einzigartiges Phänomen in der Volksmusik der Welt.

  2. Die lyrischen Lieder – Liebeslieder, aber auch Lieder der Trauer, der Einsamkeit, des Heimwehs – bilden eines der poetischsten Genres der georgischen Volksmusik.

  3. Beinahe jeder Teil Georgiens kennt seine eigenen Beerdigungsriten. Freunde, Verwandte und Nachbarn kommen zur Begräbniszeremonie, um den Toten zu beklagen und bringen Klagesänger mit, mit denen gemeinsam sie Psalmen, Choräle und Totenklagen (»Tsari«) anstimmen. Dementsprechend gab es diverse Formen von Totenklagen, unter denen die polyphonen Totenklagen aus Gurien und Swanetien besonderes Interesse verdienen. In Kartli und Kachetien werden vierstimmige »Tsari« von einer Gruppe von Frauen gesungen. Im östlichen Hochland gibt es jedoch noch immer eine Form des Klagegesangs, die anti-phonisch von einem Vorsänger und einer einstimmig singenden Chor der Kläger ausgeführt wird.

  4. Auch die Hochzeitszeremonien waren in allen Teilen Georgiens unterschiedlich. Allen jedoch war etwas gemein: die so genannten »Makruli«, Lieder nach Art von Wandergesängen, deren Texte Liebe und Ehe preisen. Während der Zeremonie wurden Hochzeitslieder gesungen, während die Ehestifter »Makruli« sangen.

  5. In der georgischen Volksmusik haben sich zahlreiche rituelle Gesänge erhalten, sowohl christlicher als auch heidnischer Provenienz, darunter z.B. »Lile«, eine heidnische Hymne, die die Sonnengöttin preist, oder »Tschona«, ein Lied, das zur Osternacht von der Familie angestimmt wird.

  6. Einigen Liedern schrieb man die Kraft zu, Krankheiten zu heilen. So gab es Lieder gegen Masern, Keuchhusten und Pocken. Die Menschen brachten diese Krankheiten mit übernatürlichen Kräften in Verbindung, die sie »Batonebi« nannten. Sie beteten zu diesen »Batonebi«, zündeten Kerzen aus Bienenwachs an, brachten Opfer von Veilchen und Rosen dar, baten um Vergebung und priesen die Geister in Liedern, im Glauben, diese Gesänge würden den Kranken Linderung bringen.

  7. Die Existenz von Wander- oder Marschliedern in Georgien ist bereits für das 4. Jahrhundert nachgewiesen. Sie zeichnen sich durch eine rigide motorische Rhythmik aus. Die Texte oft jüngeren Datums als die Melodien – handeln u.a. von historischen Ereignissen wie dem russisch-türkischen Krieg. Ihnen verwandt sind die historisch-heroischen Lieder, in denen beispielsweise die legendäre Königin Tamara aus dem n. Jahrhundert gepriesen wird.

  8. In einem Land mit einer so alten Weinbautradition wie Georgien gibt es natürlich zahlreiche Fest- und Trinklieder. Schon in uralten Zeiten war es üblich, bei der Tafel fröhliche Lieder anzustimmen. Nach der Christianisierung Georgiens im 4. Jahrhundert gab es Versuche, diese Lieder durch religiöse Psalmen zu ersetzen. Die Tradition der Tafellieder setzte sich jedoch bis zum heutigen Tage fort, ebenso wie der strikte Verhaltenskodex, der bei einer georgischen Tafel zu beachten ist. Das spezifische Genre der Tafellieder enthält verschiedenartigste Gesänge, von denen die meisten erhabene philosophische, ethische und patriotische Themen behandeln.

  9. Zu den heiteren Genres der georgischen Volksmusik zählen die Scherzlieder und die Tanzlieder, unter ihnen auch Lieder für spezielle Ringkampffeste in Kartli und Kacheti, bei denen die Ringer von einem Kreis von Tänzern umgeben werden, um sie anzufeuern und ihren Kampfgeist zu stärken. Weiterhin erwähnenswert sind die epischen Lieder, in denen mythische Begebenheiten berichtet werden, so etwa die Geschichte von Natela, der sein Dorf vor dem Angriff eines Drachen rettete.

  10. Zu den Perlen der georgischen Musikkultur zählen schließlich die geistlichen Gesänge, deren Entwicklung im 10. und n. Jahrhundert ihren Gipfelpunkt erreichte, die aber georgischen Forschern zufolge bereits vor dem 9. Jahrhundert existiert haben müssen. Das Singen anti-phonischer Choräle war in den georgischen Kirchen und Klöstern von großer Bedeutung, sowohl in Georgien selbst wie in den georgischen Gemeinden von Sinai, Athos oder Palästina. Georgische Hymnographen wie Johane Minschki, Mikael Modrekili, Johané Mtbewari, Ewtwime und Giogi Mtatsmindeli und Efrem Mtsiré, deren Namen in den Choralsammlungen des 10. und n. Jahrhunderts überliefert sind, übersetzten griechische Choräle und komponierten eine Vielzahl eigener. Aus dem frühen 10. Jahrhundert sind Neumen (Schriftzeichen für die Melodie) erhalten, die sich jedoch von den griechischen und lateinischen unterscheiden und bis heute nicht vollständig entziffert werden konnten. Sie sind vermutlich mit den frühen byzantinischen Neumen verwandt, da die frühesten georgischen Choräle auf griechischen Texten beruhten. Später entwickelten sich die georgischen sakralen Gesänge nach den Traditionen des mehrstimmigen georgischen Volksgesangs fort.
    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es sowohl in Ost- wie Westgeorgien viele professionelle geistliche Sänger, die diese musikalischen Schätze von ihren Vorfahren und Vorgängern geerbt hatten. Die Spezialschulen für geistlichen Gesang, die im 19. Jahrhundert existierten, hatten zahlreiche Berufssänger ausgebildet. Dabei gab es zwei grundlegende Typen des geistlichen Gesangs in Georgien, eine im Westen, als gurisch bezeichnet, die andere im Osten und kartli-kachetisch genannt.

Den Text habe ich dem Heft „Haralo“ zu den georgischen Musiktagen vom 27. Mai bis 02. Juni 2001 entnommen.
Autor ist Prof. Dr. Peter Niklas Wilson.
Mit freundlicher Genehmigung von Lile e.V. – im Internet präsent unter http://www.lile.de/


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 Der Knabenchor Martve

Die Lieder


 


 

Martve.jpgDie Titel 01 bis 16 habe ich von dieser abgebildeten LP, die ich mir 1989 in Tbilisi kaufte, digitalisiert und in mp3-Dateien variabler Bitrate umgewandelt.


 

Chiche Tura, der kleine Schakal, ist ein beliebter Spielkamerad der Jungs in Transkaukasien und Vorderasien. Von ihm handelt das Lied Nr. 8

Chiche Tura, der kleine Schakal, ist ein beliebter Spielkamerad der Jungs in Transkaukasien und Vorderasien. Von ihm handelt das Lied Nr. 8


 

Das CD-Beiheft als PDF (in englisch)


Videos:

  1. 23 Videos mit dem georgischen Knabenchor „Martve“
  2. Chorprobe von „Martve“ – Video
  3. Boy’s Choir Martve (Watch Boy’s Choir Martve Videos, listen to full albums, and live shows, at Ckuik.com)
  4. Meine LP als Video bei YouTube

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Die Geschichte von Martve

Martve ist ein bekannter Kinderchor aus Georgien, der jene seit vielen Genrationen überlieferten komplexen polyphonen Volkslieder singt, die im Abschnitt „Volksmusik aus Sakartwelo“ vorgestellt wurde. In alten Schriften werden bereits diese Volkslieder und auch die Tradition des Kinderchores erwähnt.
Basili Ezosmodzghvari ( Basili der Majordomus, XII -XIII Jh. ) schrieb, dass die Kinder diese oben vorgestellten Arbeitslieder singen, wenn sie auf dem Acker arbeiten, oft fügten sie auch poetische Verse zum Lob der Königin Tamar hinzu. Wir können davon ausgehen, dass es damals bereits systematischen Musikunterricht für Kinder gab. So berichtet Giorgi Mtsire, ein Autor aus dem elften Jahrhundert, wie Giorgi Mtatsmindeli (1009-1065) mit einem Chor von achtzig Waisenkindern von Georgien nach Byzanz reiste. Ihre Darbietung griechischer (byzantinischer) Kirchenlieder bezauberte den Kaiserhof. Während die Kinder auf den Feldern sicherlich spontan sangen, zeugt der Gesang der Waisen in Byzanz von einer bereits bestehenden professionellen Musiktradition.
Die jahrhundertealte Gesangstradition in georgischen Familien hat viel zur Verbreitung und zur Erhaltung der georgischen Volksmusik beigetragen. Alle die Lieder, welche die Kinder zu Hause von ihren Eltern lernten, lehrten sie später zukünftigen Generationen. Dieser Gesang wurde Element der nationalen Identität des georgischen Volkes, dessen Staat im Laufe der Zeit von expansionistischen Nachbarn, dem immer mächtiger werdenden russischen und osmanischen Reich, bedrängt und schließlich in das russische Reich eingegliedert wurde. Das Bewusstsein einer so definierten Identität wurde erst zu Sowjetzeiten und im Gefolge einer Internationalisierung aller kulturellen Werte, also auch der Gesangstradition, bedroht, als viele beliebte Kinder-Ensembles gegründet wurden, die zeitgenössische und vor allem ausländische Popsongs sangen.
Es wurde klar, dass eine Rückkehr in die Volksmusiktradition notwendig war. Kindern musste der Wert der musikalischen Schätze, die ihre Vorfahren über Jahrhunderte weitergegeben haben, in Erinnerung gerufen werden. Die Lieder mussten um jeden Preis geachtet und erhalten werden, da sie einzigartige Werke des nationalen und Weltkulturerbes waren.
Nationalbewusste Musikliebhaber haben dann im Jahr 1977 beschlossen, einen Knabenchor zu gründen. Doch kaum ein Schulkind in Tbilisi war daran interessiert georgische Volkslieder zu singen, da sie dachten, dies sei überholt und völlig daneben. Die Organisatoren des zu gründenden Chores suchten also Familien auf, von denen bekannt war, dass bei ihnen noch gesungen wurde und fanden schließlich etwa 30 Jungs im Alter von 8-14, die bereit waren dabei mitzumachen. Das erste Treffen mit den Kindern und ihren Eltern fand im Januar 1978 statt. Dort wurde ihnen die wichtige Rolle der georgischen Volkslied innerhalb der Weltkultur erklärt. Sie erinnerten die Familien an berühmte georgische Sänger und schärften ihnen ihre Pflicht ein, ihre Heimat und die Volkstradition zu achten. Die Familien und deren Jungs erwärmten sich allmählich für diese Idee, und so begann die Ausbildung der Jungs zu Chorsängern. In den ersten acht Monate wurden ihnen allgemeine Regeln des Chorgesangs und die spezifischen Arten der Intonation jeder Region Georgiens gelehrt.
Im Laufe der Zeit wuchs das Repertoire des Chores und Ende 1978 kannten die Jungs über 30 Lieder aus verschiedenen Regionen Georgiens auswendig. Die öffentliche Premiere des Chors fand am 9. Mai 1978 im georgischen Staatsfernsehen statt. Da der Chor keinen Namen hatte, wurden die Fernsehzuschauer aufgefordert, einen vorzuschlagen. Die Idee fand im ganzen Land große Resonanz und letztendlich erhielten die Organisatoren viele ermutigende Briefe, die eine große Anzahl verschiedener Namen vorschlugen, die Auswahl fiel auf Martve, die „Die Jungen“.
Der Chor wurde sehr schnell populär und zu vielen bedeutenden Konzerten in Georgien eingeladen. Die erste Konzerttournee führte Martve im Jahr 1978 nach Armenien zum Eriwan Musikfestival, wo sie großen Erfolg erzielten.
Im gleichen Jahr wurde Martve dann zu einem Festival in Dubna, Russland, eingeladen, an dem viele Kinderensembles aus allen Teilen der Sowjetunion teilnahmen. Eine lokale Zeitung fasste das Ergebnis in folgende Schlagzeile: „Martve erobert Dubna“ Im Jahr 1980 war die UNESCO Gastgeber der vierzehnten internationalen ISCME Konferenz und des Musikfestivals in Warschau, Polen. Vertreter von 58 Ländern wurden eingeladen: Musiker, Komponisten , Interpreten und Lehrer, unter ihnen zwei aus der Sowjetunion. Einer war Dimitri Kabalewski, Leiter der Abteilung für Kinder-Musik-Ausbildung des UdSSR Komponistenverbandes. Kabalewski wählte Martve persönlich aus vielen Kandidaten aus. Der zweite eingeladene Vertreter der UdSSR war der georgische Minister für Kultur, Otar Taktakishvili. Musikexperten feierten die Leistung Martves auf diesem Festival als außergewöhnlich. Kabalewski schrieb: „Es kann ohne Übertreibung gesagt werden, dass Martve der beste aller Kinderchöre auf der Konferenz war.“ Der polnische Presse schrieb: „Martve ist zwar ein Neuling, es gelang ihm aber bereits, seine Zuhörer zu faszinieren.“
Nach der Rückkehr nach Tiflis gab Martve ein Konzert vor einem sehr großen Publikum und erhielt viele Lobesworte in der Presse.
Bis 1980 wurde Martve so beliebt, dass das sowjetische Kulturministerium begann, sie zu verschiedenen Festivals in der ganzen Sowjetunion schicken. Mehr als 20 Chöre nahmen am ersten internationalen Festival in Swerdlowsk, Russland, teil. Eine Schlagzeile lautete: „Martve will hoch hinaus“ Im Artikel folgt: „Diese kleinen Jungs haben die Region Swerdlowsk erobert. Sie waren wirklich die Besten aller Teilnehmer.“ Boris Jelzin, damals der Erste Sekretär des Regionalkomitees Swerdlowsk, überreichte Martve den ersten Preis und sagte: „Ihr müsst jedes Jahr zu unserem Festival kommen. Ich werde ein Flugzeug für euch schicken.“ Jelzin hat sein Wort gehalten, und sie reisten jedes Jahr nach Swerdlowsk.
Martve wurde bald auch ins Ausland eingeladen. Manfred Rost, Direktor des Berliner Rundfunk-Kinderchores, schrieb: „Mein Traum ist, Georgien zu besuchen. Ich möchte unbedingt das Land und die Menschen, die eine so reiche musikalische Tradition mit ihren Volksliedern erzielt haben, persönlich erleben.“ Rost hat Martve nach Ost-Deutschland, der damaligen DDR, eingeladen, wo sie sehr positiv aufgenommen wurden, und viele der Martvesänger – heute Erwachsene – sind immer noch gute Freunde ihrer damaligen Gastgeber in Berlin. Das ist nicht ungewöhnlich, freundschaftliche Kontakte haben oft dazu verholfen, dass sich Kinder aus verschiedenen Kulturen besser verstehen und einander schätzen lernen.
Im Jahr 1989 kam der Chor, den Manfred Rost leitete, nach Georgien und gab sein erstes Konzert beim Tbilissoba-Festival. Der deutsche Chor sang zur Überraschung und Freude des Publikums ein Lied des georgischen Komponisten Revaz Laghidze „Lied über Tiflis“ in georgischer Sprache:

Tbilisi“ von der CD „Georgian Legend – Le Plus Spectaculaire Voyage Musical“ (2001)

Nach dem ersten Besuch von Martve in den Niederlanden schrieb die niederländische Zeitung Zeeland Nachrichten: „Das Konzert des georgischen Knabenchors Martve in der Lutenberg-Kirche war ein einzigartiges Ereignis, es brach alle Besucherrekord und verzauberte das Publikum durch sein außerordentlich hohes musikalische Niveau.“
Martve wurde danach noch mehrmals in die Niederlande eingeladen. Ihr Besuch und ihre Konzerte auf der Insel Texel bleiben unvergesslich. Hier versuchten zwischen dem 4. April und dem 20. Mai 1945 – 15 Tage nach der Kapitulation der Deutschen in den Niederlanden – ursprünglich als Hilfstruppen angeworbene Georgier, die auf Texel stationiert waren, in einem Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht die Kontrolle über die Insel zu erlangen.. Dies misslang jedoch, weil sie die entscheidenden Artilleriestellungen nicht erobern konnten. In den Kämpfen starben 3.000 Menschen, darunter 117 Zivilisten. Es waren die letzten Opfer des Zweiten Weltkrieges in Europa. 565 Georgier fanden auf dem Ehrenfriedhof auf dem Hoge Berg eine Ruhestätte. Jedem dieser Georgier wurde eine Rose gepflanzt. Viele Kriegsveteranen und andere, die diese georgischen Kriegshelden persönlich kannten, kamen zum Martve-Konzert. Als Martve das Lied „Shin Mousvlelo Sada Khar“ über einen jungen Mann sang, der nie aus dem Krieg zurückgekehrt ist, weinte das ganze Publikum, und es das Lied musste zweimal  wiederholt werden.

Shin Mousvlelo Sada Khar

Am nächsten Tag gingen die Jungs von Martve zum Friedhof, auf dem die georgischen Kriegshelden begraben wurden. Sie bestreuten die Gräber mit Erde und Wein aus Georgien und sangen ein bewegendes Lied über einen Kriegshelden. Die niederländischen Gastgeber erlebten diesen besonderen Moment mit Tränen der Rührung in den Augen und kniend in Respekt vor den Toten.
Nach dem Auftritt von Martve auf dem Festival des Sports und der Musik in der deutschen Stadt Goßlar, sagte der Festivalleiter Rudi Müller: „Martve sollte ein Vorbild für die Jugend der ganzen Welt sein. Wenn junge Georgier sich so sehr dem Studium ihrer Volkslieder widmen und sie mit solcher Liebe singen, dann wird das georgische Lied niemals sterben.“
Am Ende eines großen internationalen Festivals in der Schweiz schickte dessen Direktor Cyril Haring Martve einen Brief: „Sie begeisterten das Publikum mit Ihren Liedern. Sie müssen in die Schweiz zurückkehren, Martve war die Krone des Festivals.“
Martves erster Besuch im „Land der aufgehenden Sonne“ erzielte dort eine große Resonanz und der Chor wurde mehrmals aufgefordert zurückzukehren. Die Zeitung Sankei Simbun schrieb: „Die kleinen Jungen mit ihren Trachten und Dolchen an ihren Taillen gaben dem Publikum einen Eindruck vom heroischen Geist ihres Landes … Im Gegensatz zu westlicher Musik machen Martves Lieder dem Publikum die natürliche Schönheit des Gesangs deutlich.“
In einem Konzert sang Martve zusammen mit dem bedeutenden japanischen Ensemble Yamashiro-Gumi ein japanisches Lied, „Akatombo“ (Die Grille) und einen georgischen Song „Chemo Kargo Kveqana“ (Meine geliebte Heimat). Eine Zeitung schrieb: „Mit ihrer brillanten Darbietung solch reicher und komplexer mehrstimmigen Lieder, bewies Martve die Beherrschung der ältesten Traditionen. Sie haben uns den Weg gewiesen, den die Musikkultur in das einundzwanzigste Jahrhundert verfolgen sollte.“
Andere japanische Zeitungen lobten mit solchen Worten:

  • „Der georgische Chor Martve präsentiert seltene Beispiele der Mehrstimmigkeit.“
  • „Die perfekte und einzigartige Polyphonie der georgischen Volksmusik ist so alt wie das Land aus dem sie kommt. Wie der berühmte Komponist Igor Strawinsky sagte: ‚Es ist die schönste Musik, die die Menschheit hervorgebracht hat.‘ Als wir diesen Chor zum ersten Mal hörten, wurden wir von der Harmonie der großartigen Stimmen und der gefühlvollen Qualität des Klanges verzaubert. Diese unvergessliche Musik schlägt jeden Hörer in ihren Bann.“

Im Laufe seiner Geschichte hat Martve Lob in Zeitungen aus Frankreich, Österreich, der Türkei, Spanien und anderen Ländern erhalten.
Auch im Jahr 1998 wurde Martve Gewinner bei zahlreichen Musikfestivals und Wettbewerben und wurde schließlich mit dem Staatspreis Georgiens für die Verbreitung von Volksliedern unter Jugendlichen und für ihre Konzerttätigkeit ausgezeichnet.
Zuletzt gewann Martve im April 2002 den Hauptpreis bei einem internationalen Musikfestival in Moskau.
Heute leitet Valeri Kutidze den Knabenchor Martve.

Bilder aus der Geschichte von Martve:


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Trio Kavkasia

Dies sind drei Amerikaner – Alan Gasser, Stuart Gelzer und Carl Linich – die sich seit über vierzig Jahren dem georgischen polyphonen Gesang widmen. Bei mehreren Besuchen in Georgien studierten sie die Vokalkunst und erhielten 1997 die Silbermedaille des georgischen Kulturministeriums. Zwei Osterhymnen sollen als Beispiele geistlicher Gesänge zitiert werden:

Aghdomasa Shensa: Auf Deine Auferstehung
Kriste Aghsdga: Christus ist auferstanden

Anchiskhati Chor

Diese CD und eine weitere mit georgischen Hymnen kaufte ich während der georgischen Musiktagen vom 27. Mai bis 02. Juni 2001 nach einem Konzert dieses Chores. Der Chor widmet sich hauptsächlich der alten georgischen Kirchenmusik und gründete sich in der Anchiskhati-Kirche in Tbilissi. Sie singen aber auch georgische Volkslieder, auf der abgebildeten CD zusammen mit der Gruppe „Dzveli Kiloebi“.

Glacho Sacharov und Bläserensemble „Kavkasioni“

Diese Musik nun klingt sehr orientalisch in meinen Ohren. Es wäre wohl auch ein Wunder, wenn die umgebenden Völker nicht die Kultur Georgiens beeinflusst hätten. Leider ist auf der Rückseite der Schallplatte nichts zu dieser Musik geschrieben worden.

 

Tsisperi Trio

Dieses Trio singt georgische Stadtlieder, für mich ist ein russischer Einfluß nicht zu überhören. Möglicherweise durch die Annäherung an Rußland im 18. Jh. bedingt – viele gebildete Georgier, wie die Tschawtschawadses, pflegten den Kontakt zu russischen Intellektuellen. Eine gegenseitige Befruchtung scheint so unvermeidbar.


Eine vielleicht verrückte Idee:
Als Beispiel, dass selbst die exotische georgische Polyphonie geografisch weit entfernt Verwandte hat, bringe ich diese Volkslieder aus Korsika:

einem ungeübten Ohr dürfte es schwer fallen die Unterschiede zu entdecken.
Immerhin wurde von dem deutschen Sprachforscher Friedrich Müller auch eine Ähnlichkeit vieler Bezeichnungen in Aussprache und Sinn (z.B. für Berge und Flüsse) in der georgischen Sprache mit der Sprache der Basken im Norden Spaniens festgestellt.
Was auch die Ursache sein mag – wenn Sprachreste eventuell als Rudiment einer ehemals von Atlantik bis zum Kaukasus lebenden Sprachgruppe in abgelegenen Gebieten überlebten, warum nicht auch Musiktradition?


So ist nun diese Welt, auf sie kann sich niemand verlassen,
Sie ist ein Augenblick, schneller noch als ein Schlag mit den Wimpern.
Was ihr euch sucht, was wollt ihr? Entehrend ist doch das Schicksal;
Übt es Verrat nicht, ist’s gut; es folgt ihnen, wo sie auch hingehen.

aus dem Epilog des altgeorgischen Epos „Der Recke im Tigerfell“ von Schota Rustaweli


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