Taganrog

Anektoden um Anton Tschechow

Anton Tschechow – Ein Scherz des Schicksals

Am 2. Juli 1904, um 2 Uhr in der Früh verlangte Anton Tschechow einen Arzt. Mit seiner Frau Olga Knipper befand er sich zu diesem Zeitpunkt in dem deutschen Kurort Badenweiler. Der berühmte Schriftsteller war an Tuberkulose erkrankt und wurde von einem Arzt versorgt, der auf Lungenkrankheiten spezialisiert war. Tschechow hatte Zeit seines Lebens sich in seinen Werken für die Schwachen eingesetzt, doch um sich selbst hatte er sich zu wenig gekümmert. Tschechow, der eine medizinische Ausbildung hatte, spürte, dass es mit ihm bald zu Ende gehen sollte.

Als sein Arzt Josef Schwörer das Zimmer betrat, teilte Tschechow ihm die Neuigkeit mit: „Ich sterbe.“ Der Arzt verabreichte ihm eine Kampfer-Injektion, um seinen Puls zu beruhigen. Doch da er damit keinen Erfolg hatte, verlangte er eine Sauerstoffflasche. „Wofür?„, fragte Tschechow. „Das ist zwecklos. Bis man sie bringt, werde ich tot sein.“ Als auch Dr. Schwörer erkannte, dass der Tod nah war, telefonierte er und bat um die beste Flasche Champagner und drei Gläser. Tschechow nahm sein Glas, das Olga ihm reichte, und sagte: „Es ist schon lange her, dass ich das letzte Mal Champagner getrunken habe.“ Dann legte er sich auf die Seite und hörte auf zu atmen. „Es ist vorbei„, sagte der Arzt. Olga erinnerte sich später in ihren Memoiren an diesen Augenblick: „Es waren keine menschlichen Stimmen, keine Alltagsgeräusche zu hören. Es gab nur Schönheit, Friede und die Erhabenheit des Todes.

Champagner zum Sterben und Austern als Geleit

Man traf alle nötigen Vorbereitungen, um die Leiche des großen Schriftstellers nach Moskau zu bringen. Da es Sommer war, wurde Tschechows Sarg auf einen Güterzug geladen, der Austern transportierte. Champagner zum Sterben und nun Austern als Geleit, welch ein Luxus. Außerdem stand am Bahnhof eine Militärkapelle, die einen Trauermarsch zu spielen begann. Jedermann glaubte, dass die Behörden auf die Nachricht reagiert hatten und den großen Bühnenschriftsteller des Moskauer Kunsttheaters auf diese Weise ehren wollten. Erst wenige Monate zuvor wurde Tschechows berühmtestes und letztes Werk „Der Kirschgarten“ dort mit überwältigendem Erfolg aufgeführt. Man stelle sich die Überraschung der Anwesenden vor, als sie erkannten, dass die Militärkapelle nicht für Tschechow, sondern für General Keller spielte, der in der Mandschurei gestorben und dessen Sarg mit einem anderen Zug transportiert worden war, der nun ebenfalls einfuhr. Tschechow wurde am 22. Juli 1904 unter großer Anteilnahme auf dem Neujungfrauenkloster-Friedhof zur Ruhe gebettet.

Es mag traurig wirken, dass solch tragikomischen Anekdoten mit Tschechows Tod verbunden sind. Doch Tschechow, dessen Literatur von der Ironie durchdrungen ist, die unser Leben umgibt, hätte dieser komische Umstand sicherlich gefallen.

Einmal, als Tschechow zu den Proben der „Möwe“ im Moskauer Künstlerischen Theater (dem heutigen Tschechow-Kunsttheater Moskau) kam, vernahm er von der Bühne das Quaken von Fröschen, das Zirpen von Grillen und das Gebell von Hunden. „Was ist das?“, soll er verwundert gefragt haben. „Elemente der Realität“, wurde ihm erklärt. Daraufhin hielt der Schriftsteller der Theatertruppe erst einmal eine Vorlesung über Kunst: „Kramskij hat ein Bild gemalt. Auf diesem sind in genialer Weise verschiedene Gesichter dargestellt. Was passiert, wenn aus einem der Gesichter die gemalte Nase herausgeschnitten und durch eine echte ersetzt wird? Die Nase mag real sein, aber das Bild ist verdorben.“

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