Taganrog

Peter Tschaikowski in Taganrog

Aus Tschaikowskis Tagebuch

25. März 1886
Den ganzen Tag vor mich hingedöst und gelesen. Taganrog. Ippolit mit Sonja. Unterhaltung und Tee. Spaziergang mit Ippolit. Lebhaftes Flanieren auf der großen Straße. Alte Frau, die bei ihnen mit einwohnt; Whist, Abendessen, wieder Whist und Schafskopf.

26. März 1886
Wunderbares Wetter. Mit Sonja (nach Telefongesprächen) zum Hafen gefahren. Die Agentur. Spazierfahrt mit dem Dampfer von Ippolit. Kapitän Iwan Grigorjewitsch und sein Fieber. Sein Dampfer. Kaviar. Schildkröteninsel. Rückfahrt. Mittagessen. Ippolit fuhr mich in den Garten, nach Dubki*) (Tichon, Spaziergang). Tee zu Hause. Mit Sonja in die Kathedrale. Stojanije des hl. Andreas. Whist mit der alten Dame. Ippolit jeden Augenblick zu einer Szene bereit. Abendessen. Ippolit erzählt von seinen Abenteuern.

27. März 1886
Früh aufgestanden. Tee mit Ippolit. Von ihm verabschiedet. Mit Sonja zum Bahnhof. Langes Hin und Her vor der Abreise. Reise unter dem Eindruck einer besonderen Sympathie für Sonja ab. Erst am Meeresufer, dann den Fluss Sinjawka entlang. Ein braver Militär im Ruhestand und seine Unterhaltung über Pferde mit dem Kosaken. Rostow. Schön. Mittagessen mit Aljoscha auf der Station. Eisenbahnwagen mit Lehnsitzen. Bahnbeamter mit Gattin oder Liebchen. Abendessen im Wagen. Lektüre. Früh schlafen gelegt.

*) Dubki: Park in Taganrog


Nach der Fertigstellung von ›Pique Dame‹ – im Juli 1890 – findet Tschaikowsky wieder Zeit, die Brüder zu besuchen. Zunächst fährt er zu Ippolit, der mit seiner Frau in Taganrog, einer Küstenstadt am Asowschen Meer, lebt und dort als Mitglied der Verwaltung der russischen Gesellschaft für Schifffahrt und Handel tätig ist. Peter Iljitsch sieht ihn nur selten, da der Jüngere oft auf See ist. Dann aber wird der Besuch zum Freudentag. Dabei kommt es vor, dass ihm junge Musiker vorspielen wollen, und der Komponist geht gern darauf ein. Zu den angehenden Künstlern, die um sein Urteil bitten, gehört auch der spätere Geiger, Dirigent und Musikpädagoge Nikolai K. Avjerino, der später im Orchester des Bolschoitheaters mitwirkt.

Achtung Werbung! In meinem Blogbeitrag Von Astrachan nach Wolgograd kannst du dir unentgeltlich meine Einspielung des Zyklus für Klavier ›Die Jahreszeiten‹  von Peter Tschaikowski anhören.

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