Die Insel Kischi im Onegasee

Tag Sechzehn: Die Insel Kischi im Onegasee

Unser Spruch des Tages:
Lernen ist wie das Rudern gegen den Strom,
Sobald man aufhört, treibt man zurück.
Benjamin Britten

 Was uns auf der Insel Kischi erwarten wird wusste ich unter anderem aus dem Film Kishi Pogost der Reihe Schätze der Welt – Erbe der Menschheit:

Drei von von sechs Schleu­sen, mit Hilfe derer vom Ober­lauf der Vytegra bis zu ihrer Mündung in den Onega-See ein Höhenunterschied von insgesamt 84 Metern überwunden wird, hatten wir bereits in der Nacht passiert. Mittels der ersten Schleuse (Schleuse Nr. 6) werden die Schiffe um 17,2 Meter gesenkt; es ist der größte Höhenunterschied auf dem gesamten Weg von Moskau bis Petersburg. Die übrigen Schleusen überwinden je 13 bis 14 Meter Höhenunterschied; wir befanden uns, als ich kurz vor fünf Uhr in der früh wach wurde, bereits hinter Schleuse Nummer 3. Nebelschwaden zogen über das Wasser der Vytegra und die noch flache Morgensonne verzauberte die Landschaft in eine verwunschene Märchenwelt. Kurz vor sechs bis halb sieben Uhr müssen wir wohl an Vytegra vorbei geschwommen sein. Nach dem Frühstück war auch die letzte Schleuse hinter der Stadt Vytegra überwunden und wir um zehn Uhr bereits auf dem Onegasee und auf dem Weg nach Kischi.

Die beeindruckendste Sehenswürdigkeit des Onega-Sees ist die Insel Kischi (Кижи). Sie liegt inmitten eines Archipels aus mehreren Dutzend Inseln, von denen die größte 147 Quadratkilometer und die kleinste nur ein paar Quadratmeter misst. Obwohl im Norden des Sees ge­legen, ist das Klima auf den Inseln mil­der als auf dem Festland. Die Böden sind mineralhaltig, die Vegetation üp­pig: Nadelwälder, durchsetzt mit Lin­den, Ulmen, karelischen Birken, verein­zelt Ebereschen, Faulbeerbäumen und Weiden, Wiesen mit an manchen Stel­len bis zu mannshohen Gräsern, Heil­kräutern, bis zu drei Meter hohen Dol­denpflanzen, Geißblatt, Hagebutten, Johannisbeeren, Himbeeren und vielen anderen Pflanzen. In den dichten Wäl­dern der größeren Inseln leben Bären, Elche, Wölfe, Marder, Füchse, Herme­line, Wiesel, Nerze, Dachse, Bisamratten und Hasen. In den Kuppeln vieler Kir­chen, unter anderem auch auf Kischi, sind Kolonien von Fledermäusen beheimatet.

Trotzdem die Insel, wie im Video behauptet, von Touristen überlaufen sein soll, konnte ich meist völlig alleine die Insel für mich erkunden – man muss sich lediglich vom  großen Haufen trennen und auf die Erläuterungen der Touristenführer verzichten, man kann diese auch vorher bereits gelesen haben um gezielt auf die Suche nach dem zu gehen, was man sehen möchte. Und dann erlebt man die eigentliche Natur und den besonderen Reiz dieser Insel. Das Dörfchen Jamka (Ямка) im mittleren Teil der Insel, sogar mir eigenem „Dorfladen“ (магазин), erweckt zumindest den Eindruck, wie so ein karelisches Dorf auf den Inseln im Onegasee früher ausgesehen haben muss, auch wenn dessen Häuser zum Teil mit den Bewohnern, in denen aber nun vor allem das Museumspersonal wohnt, hierher „importiert“ wurden. Zum ersten Mal wurde dieses Dorf im Jahr 1563 unter dem Namen Trofimowskaja als Teil der Besitztümer des Nowgoroder Bojaren Nikita Afanasjew erwähnt. In den fünf Jahrhunderten, die seither vergangen sind, hat das Dorf seinen Namen wiederholt geändert. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erhielt es seinen endgültigen Namen – Jamka. Zur Zeit befindet sich an der Stelle dieser alten Siedlung nun ein Museumsdorf, dessen meisten Gebäude aus verschiedenen karelischen Dörfern hierher gebracht wurden. Durch die Umwandlung der Siedlung in ein Dorfmuseum blieben sein ursprüngliches Erscheinungsbild und auch die Anzahl der Häuser vollständig erhalten. Jamka wirkt trotz seines neu zusammen gestellten Dorf-Ensembles, wie ein altes, typisch karelisches Küsten-Dorf.

In dem Video singt die St. Petersburger Gruppe Zhalejka folgende drei russischen Volkslieder:

  1. Ich säe am Ufer
  2. Der lustige kleine Hirte
  3. Ein lyrisches Lied

Bildergalerie:

 

 

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